"Himmel. Hölle. Liebe." 13.10.2018 - Nachlese

img 1000639„Liebe hat natürlich einen persönlichen Aspekt, aber auch einen gesellschaftlichen.“ In diesem Spannungsbogen bewegten sich die beiden Romane „In deinem Kopf“ von Zoe Schreiber und „Zwei Lieben“ von Dr. Rainer Vollath, die am 13.10.2018 in der litbox2 das Thema „Himmel. Hölle. Liebe“ vereinte. Welche Spielräume hat Liebe, wenn sie gegen Normen verstößt? Welche Grenzen, welche Tabus umfassen sie heute? Dem Thema stellten sich die beiden Autoren auf ganz unterschiedlichen Wegen.

Zuerst stellte Zoe Schreiber, die zur Buchpräsentation aus ihrer Heimatstadt Hamburg angereist war, ihren Roman „In deinem Kopf“ vor. Der Roman zeigt auf 429 Seiten, in Vor- und Rückblenden, verschiedenen Zeitebenen und Handlungssträngen, die Verflechtungen der Paare Dominik und Iris, Cord und Mareika sowie deren Kinder Luke und Zita. Zoe Schreiber las vier Kapitel des Romans, in denen sie spüren ließ, wie nah Himmel und Hölle in Beziehungen beieinander liegen, wie subtil die Veränderungen sind, wie schleichend Grenzen überschritten werden und Gewalt in Wort und Tat möglich. Der – nur als Nebenhandlung angelehnte - Ausgangsplot des Romans (das Tabu einer möglichen Geschwisterliebe zwischen Zita und Luke) bleibt dem Leser zu entdecken, da hierfür die Zeit nicht mehr reichte.

Nach der Pause trat die Liebe als eine Hoffnungsträgerin in der Hölle in den Mittelpunkt. Rainer Vollaths Roman „Zwei Lieben“ erzählt die Liebe des homosexuell veranlagten Fritz, der 1938 ins KZ kommt. Dort findet er seine erste Liebe, die zu leben jedoch in diesen Zeiten fast unmöglich ist. Auch die Nachkriegsjahre bringen keine Erleichterung, denn Homosexualität ist lt. Paragraph 175 verboten. Die Jahre des Doppellebens prägen Fritz. Erst 1969, als der Paragraph 175 abgeschwächt wird, wagt Fritz den Aufbruch in ein neues, freieres Leben. Rainer Vollath, der in München, Paris und Kiel Romanistik und Germanistik studierte und über den spanischen Schriftsteller Juan Goytisolo promovierte, brachte den Zuhörerinnen und Zuhörern in klarer, nüchterner Sprache das Leben dieses Protagonisten nahe, der es, trotz seiner KZ-Vergangenheit, dem späteren Doppelleben und den daraus resultierenden Ängsten schafft, ein neues Selbstbewusstsein als schwuler Mann zu entwickeln. Fritz findet seinen Platz in der Gesellschaft und sein eigenes Glück. Die Liebe kann über Tabus und die Hölle triumphieren.

Wie geht es weiter? Am Samstag, 10.11.2018, 20.00 Uhr - 21.30 Uhr stellen wir beim siebten Themenabend der litbox2 gemeinsam mit Prof. Dr. Nicole Pohl (Utopie-Forscherin und Herausgeberin Utopian Studies) und Ruprecht Günther (Romamautor) die Frage: Welche Kraft liegt in Utopien? Wir freuen uns auf Sie.
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