Nachlese: Anekdote & Mythos, 11. Themenabend, 13.4.19

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Was macht die Anekdote aus? Was den Mythos? Und wie sind sie im Spiegel der Zeit verankert? Diese und viele andere Aspekte brachten die Autoren Hans-Karl Fischer und Simon Gerhol gestern den Gästen in der litbox2 nahe. Am Beispiel Napoleon und Goethe führte Hans-Karl Fischer in das Wesen der Anekdote ein, dem Simon Gerhol seinen Text über Artemis und Aktaion folgen ließ. Die unterschiedlichen Ansätze im Hinblick auf den Bezug zur Geschichte, zur Pointe, der Charakterisierung der Personen zeigten anschaulich die Bandbreite, in der die Anekdote angesiedelt werden kann. „Geh mir aus dem Regen – Alexander und Diogenes“ (Hans-Karl Fischer) und „Minotaurus“ (Simon Gerhol) vertieften diesen Eindruck – wobei beide Autoren Wert darauf legten, dass sie die Anekdote nicht als humorvollen Schwank, sondern als ernstzunehmende literarische Gattung verstehen.

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Nachlese – Tage wie diese, 10. Themenabend in der litbox2, 9.3.2019

x 1010766Ein gut besuchtes Haus bescherte „Tage die diese“ der litbox2 am Samstag, 9. März. Welche „Tage wie diese“ gemeint sind? Mark Twain nannte zwei wichtige Tage im Leben eines Menschen: „Der erste, wenn wir geboren werden, und der zweite, wenn wir begreifen, warum.“ Welche Tage für die Autorinnen und Autoren wichtig war, darauf durfte man gespannt sein. Gäste in der litbox2 waren die beiden Musiker Vitto Micci und Daniel Häne (Boiling Ink). Vitto Micci eröffnete den Abend mit italienischen Canzoni und Hits von Dean Martin, Elvis Presley u.a. Zwischen den Textbeiträgen griff im Anschluss Daniel Häne immer wieder in die Saiten und brachte Blues´n´Rock in die litbox2. Den Gästen gefiel´s. Wie auch die aus von Glücksfeen und Glücksfaunen ausgelosten Beiträge von Horst Oberbeil (Der Laubbläser), Peter Biber (Die Rehe kicken so traurig), Conrad Cortin (auf besonderen Wunsch ohne Auslosung mit quergedachten Aphorismen und Kurztexten), Wolfram Hirche (Eine Fantasie toskanisch), Barbara Pinheiro (Tagebuch einer Ameise), Gisela Gross (Amerikanische Nacht), Petra Lange (Glückwunsch), Wolfgang Knittel (Die prickelnde Erkenntnis). Den literarischen Schlusspunkt setzte die Erzählerin Anke Schlee mit der frei vorgetragenen Geschichte „Der Dorfheld“.

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Nachlese: „Briefe“- 9. Themenabend in der litbox2

Nachlese: „Briefe“- 9. Themenabend in der litbox2

img X 1010689„… das Interesse am Brief steigt!“ Nicht nur Veit Didzuneit, Leiter der Abteilung für Sammlungen am Museum für Kommunikation in Berlin, stellt dies – am Beispiel von Feldpostsammlungen – fest, sondern auch die litbox2. Marie-Sophie Michel und Thomas Hartwig waren Gast der Auftaktveranstaltung 2019.

Der ganz persönliche Blick, die unverstellte Intimität von Briefen war bei beiden Autoren unmittelbar zu spüren. Marie-Sophie Michel eröffnete den Abend mit der Novelle „Dreißig Briefen an den Sommer“. Die Briefe richten sich an ihren verstorbenen Mann, der bei einem Unfall ums Leben kam. „Die Briefe waren anfangs eine Art Ritual für den SZ-Gedenkblog“, sagt die Autorin, und halfen, mit der Trauer fertig zu werden. Aus dem Ritual wurde Literatur. Der wesentliche Teil der Novelle spielt in Italien, wo Lena zum ersten Mal ohne Karl ihren Urlaub in der Sommervilla Aurelia verbringt. Mit den Briefen kehren Erinnerungen zurück, die Liebe zwischen Lena und Karl wird sichtbar, die Trauer über den Umstand, nun alleine an diesem wunderbaren Ort zu sein. „Ich glaube, in den Briefen konnte ich meine Liebe gestehen, etwas, was ich zu Lebzeiten nicht sagen konnte aus Angst, es könnte kitschig klingen.“ (Marie-Sophie Michel). Keine Sorge, auch in diesen traurig-poetisch nachgeschobenen Liebesbriefen ist von Kitsch nichts zu spüren gewesen.

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BITTER-SÜß BIS ZUR BESINNUNG, 8.12.2018 - Nachlese

x 1010390 webBITTER-SÜß BIS ZUR BESINNUNG, 8.12.2018 - Nachlese

Fröhliche, bitter-süße oder gar keine Weihnachtszeit? Das wollte die litbox2 mit zwei unterschiedlichen Geschichten und unserem Publikum zusammen beleuchten. Vor gut besetzten Reihen kam im KIM-Kino zuerst eine sehr berührende Geschichte zu Gehör. 

Heike Stuckert, Schauspielerin und Kulturmanagerin, erzählte von einer Mutter, die ihrer Tochter ein besonders schönes Weihnachten machen will. Sie trägt eine große Bürde: das tote, zweite Kind, zu betrauern. Wie Teresa diesen Verlust bewältigt, ist außergewöhnlich. Ein traditionelles Weihnachtslied, „Oh, Du Fröhliche“, hilft ihr dabei, die eigenen Empfindungen zu explorieren. Der Blick zurück ins Krankenhaus und auf das Sterben ihres Babys – dieser Stoff wurde in höchstem Maß berührend vorgelesen. Ist das eine Geschichte, die zu Weihnachten passt? Das Publikum stimmte weitgehend zu, denn es zeigt, dass das Fest der Liebe auch die nicht vergessen darf, deren Leben bittere Momente durchlaufen. Am Ende gelang es den verwaisten Eltern, dem Hieb des Schicksals einen neuen Blick abzugewinnen: Sie sehen, dass auch andere ihr Baby verloren haben. Dieser Trost ebnet ihnen den Weg zurück in ihre Welt. 

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"Ist das wirklich utopisch?", 10.11.2018 - Nachlese

 1000831 lresSo spät sind wir noch nie zum Ende gekommen! Der 7. Themenabend mit der Frage: „Ist das wirklich utopisch?“ brachte mit unseren Gästen Prof. Dr. Nicole Pohl, Utopieforscherin, und Ruprecht Günther, Romanautor, viele hochaktuelle und brennende Fragen unserer Zeit in den Raum. Während der Beiträge, aber auch in der Pause wurde intensiv im Publikum diskutiert. Nicole Pohl, die auch Protestliteratur unterrichtet, stellte Impulse aus ihrer Arbeit vor: Aktuell herrscht eine Krise des utopischen Denkens, das jedoch gerade für die Gestaltung unserer Zukunft unbedingt gebraucht wird. Besonders junge Menschen reagieren engagiert darauf, so die Wissenschaftlerin. Und aus dem Publikum meldete sich sogleich eine junge Frau zu Wort und brachte sich ein. Wie kann ein Blickwechsel, den Utopien anregen wollen, gelingen? Nach Prof. Pohl sollten Utopien sich unbedingt auf die ganzheitliche Ökologie richten und sogar den Kosmos auch einmal ohne Menschen, als reinen Kosmos der Natur, konstruieren. Das Konzept der Mitgeschöpflichkeit, also Lebewesen unterschiedslos als lebendige Natur zu sehen, stieß auch bei den Zuhörenden auf großes Interesse. Dinge radikal in Frage zu stellen ist auch von Grünen-Chef Habeck als Mittel der Wahl für die radikalen Probleme unserer Zeit angeregt worden: In der litbox2 fand dies statt. Dem Publikum ging es trotzdem nicht immer weit genug. Wir treten schon viel zu lange auf der Stelle, wurde festgestellt. Ob Utopien hieran rütteln können, muss sich noch zeigen – möglich wäre es.

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